Mission Failed

Warum das „Projekt Klinsmann“ in München misslungen ist

 

In guter Erinnerung liegt uns allen noch das Sommermärchen aus dem Jahre 2006, bei dem Deutschland es bis auf den dritten Platz in der WM-Endrunde geschafft hat. Einen hervorragenden Ruf genoss danach der damalige Trainer Jürgen Klinsmann. Doch heute scheint die Welt nicht mehr in dem Sonnenlicht zu glänzen wie sie es bei der WM noch tat. Klinsmanns Anstellung bei den Bayern ist wackeliger denn je. Aus dem DFB-Pokal hat man sich gänzlich verabschiedet und in der Champions League hat man nach dem desaströsen 0:4 in Barcelona nicht den Eindruck gemacht, dass man auch nur annähernd mit den Top-Teams in Europa mithalten könnte.

Allein die sportliche Bilanz ist aber nicht Indiz für einen gescheiterten Klinsmann. Auch Differenzen mit Spielern sowie Haltung und Äußerungen in den Medien sprechen eine deutliche Sprache.

 

Systemchen wechsle dich

Den Stein des Sturzes brachte am wesentlichsten die Systemrochade zu Beginn der Saison, ins Rollen. Immer wieder ließ er die Formation wechseln. Spielte er zuerst mit dem altbekannten 4-4-2, wechselte er später zu einem 3-5-2 um danach ein 4-5-1 zu testen. Solche Probierversuche kennt man sonst nur aus der Saisonvorbereitung. Die Vermutung liegt deshalb nahe, dass die wichtige Zeit der Saisonvorbereitung nicht optimal genutzt wurde. Gegenseitig lässt sich anführen, dass etliche Spieler durch die Europameisterschaft erst später in die Vorbereitung einsteigen konnten. In dem Fall jedoch ist es besonders wichtig, bereits genaue Systemvorstellungen zu haben, damit die Spätstarter schneller ihren Platz finden können. Des Weiteren lässt sich an diesem Rochadespiel eine gewisse Unerfahrenheit erkennen, die dem noch jungen Trainer Klinsmann während seiner kompletten Zeit beim FC Bayern immer im Weg steht. Die Mängel die der Bayern-Coach besonders im taktischen Bereich aufweist machen ihn stellenweise zu einem Lehrling des Fußballs, der den Ansprüchen des Rekordmeisters nicht gerecht werden kann. Weiter muss man sagen, wer ein Topclub sein will, braucht auch einen Top-Trainer. Die großen Englischen Topclubs, Manchester United, Chelsea London, Liverpool FC und Arsenal London gehen hier mit Beispiel voran. Alle vier Clubs werden von erfahrenen Trainern trainiert, die zweifelsohne zu den Besten ihres Faches gezählt werden dürfen.

Dabei wird darauf verzichtet, den Fußball zu revolutionieren. Mit altbekannten Methoden wird der Erfolg garantiert. Revolutionäre Vorhaben wie sie Klinsmann ankündigte und umzusetzen versuchte machen den Anschein, als könnte der Fußball auf sie verzichten.

Daraus schließend stellt sich die Frage, warum bei diesem Unterfangen etwas Altbewährtes und Erfolgreiches revolutionieren?

 

Keine Zeit für Revolution

Zweifelsohne ein Unterfangen, bei dem Klinsmann nur scheitern konnte. Auch weil es Zeit kostet. Zeit die der FC Bayern nicht geben kann. Denn hier stehen die Ergebnisse im Vordergrund. Titel sind das Ziel, die Meisterschaft dabei Pflicht. Die Entlassung Magaths im Januar 2007 ist dafür das beste Beispiel. Trotz seines Erfolges in den beiden Jahren zuvor (zweimal Meisterschaft und DFB-Pokal), wurde er zu Beginn der Rückrunde entlassen. Die Entlassung Klinsmanns bei einem Nichtgewinn der Meisterschaft ist deshalb wohl unumgänglich. Führt man sich dann noch den Punkt vor Augen, dass die Bayern in dieser Saison noch kein einziges Mal an der Tabellenspitze standen, macht die Geschichte für den Bayern Trainer nicht leichter.

Doch mit all dem noch nicht genug, gibt es weitere Probleme die Klinsmann eine Zukunft als Bayern Trainer versperren.

Besonders herausheben muss man die Situation zwischen den Spielern und dem Trainer. Bereits zu Beginn der Saison gab es dabei einen mächtigen Konflikt zwischen van Bommel und Klinsmann. Ausgerechnet den Kapitän Mark van Bommel setzte er beim Pokalspiel gegen Nürnberg auf die Bank. Diese Entscheidung sorgte noch lange nach dem Spiel für Unruhe, womit Klinsmann die Rolle als Verursacher dieses Unruheherdes zu Teil kommt.

Das Verhältnis zwischen Klinsmann und van Bommel war danach angespannt. Auch deshalb, weil er ihn noch einige Wochen zuvor erst zu einer Stütze der Mannschaft gelobt hatte und ihm auch deshalb die Kapitänsbinde gab.

Doch van Bommel blieb nicht die einzige Personale mit der es zu Problemen kam. Um Lukas Podolski gab es ein langes Hick Hack, bei dem es nie zu einem eindeutigen Ende kam. Starke Leistungen wie man sie von ihm aus der Nationalmannschaft kennt brachte er beim FC Bayern nie. Irgendwann hat man sich dann durchgerungen ihn nach der Saison zurück zum 1. FC Köln zu geben. Trotzdem eine Baustelle, die während dieser Saison, nie richtig von Klinsmann geschlossen wurde. Anderen Orts kam es zu Baustellen, die Klinsmann zu Zeitpunkten aufmachte, die schlechter nicht hätten gewählt werden können.

 

Ja wo versteckt er sich? Der richtige Torhüter

Der Torwartwechsel vor dem Champions League Spiel in Barcelona von Michael Rensing zu Hans-Jörg Butt ist das bedeutendste Beispiel.

Mit der Aussage, Rensing wieder am Samstag gegen Frankfurt spielen zu lassen, setzte er im Spiel gegen Barcelona auf die Erfahrung des Zehn Jahre älteren Jörg Butt.

Und auf diese wollte er auch im Spiel gegen Frankfurt setzen. Weshalb er entgegen seiner ersten Ankündigung nicht Michael Rensing spielen ließ. Und wie es aussieht war es nicht das letzte Spiel das sich Rensing in dieser Saison von der Bank aus ansieht. Mit der Degradierung von Rensing hat Klinsmann einen weiteren Problemherd aufgemacht, der ihm den Job kosten könnte, wenn sich heraus stellt, dass auch mit Jörg Butt der Erfolg ausbleibt.

Die Personallage beim FC Bayern gibt aber noch mehr Konfliktpotential her. Schweinsteiger zum Beispiel läuft seit Wochen seiner Form hinter her. Spielern wie Sosa, Breno, Rensing, Ottl, Lell, Altintop oder eben Schweinsteiger sieht man nicht an, dass sie sich weiter entwickelt haben. Dabei war es auch sein Ziel, jeden Spieler jeden Tag etwas besser zu machen. Bisher ist davon kaum etwas zu erkennen. An diesen Versprechen muss er sich messen. Negativ fällt dabei auch die Situation vor dem Champions League Spiel gegen Lissabon in die Waagschale. Denn es gibt Gerüchte, die Mannschaft habe sich ohne Trainer über die Taktik für das Lissabon Spiel abgestimmt. Handfeste Beweise gibt es kaum, jedoch die Tatsache, dass solch ein Gerücht bereits in der Presse kursierte zeugt von einer angeschlagenen Autorität des Trainers.

 

Die vierte Gewalt

Betrachtet man dann noch die Person Klinsmann in den Medien, dürfte auch dem letzten Zweifler bewusst werden, dass Klinsmanns Posten in naher Zukunft einem anderen Trainer zur Verfügung gestellt wird.

Seit Wochen gelingt es dem einstigen Nationaltrainer nicht mehr sich überzeugend zu verkaufen. Auf die gleichen Fragen hört man immer wieder die gleichen Durchhalteparolen. Hinter denen versteckt er sich, seine Mannschaft aber auch schützt. Jedoch macht er nie den Eindruck, ihm wären die Gesetze des Fußballgeschäfts nicht bekannt. Betont er doch auch, seinen Kopf hinhalten zu wollen.

Wie er sich jedoch gegenüber der schlechten Ergebnisse in dieser Saison rechtfertigt ist eines Bayern Trainers nicht würdig. Immer wieder betont er, dass in jenem Spiel ein Tor aberkannt wurde und in einem anderen Spiel etliche Spieler verletzt fehlten. Worte die man von einem Bayern Trainer in dieser Häufigkeit noch nie zuvor gehört hatte. Über diese Ausflüchte rettet sich Klinsmann dann in jedem Interview in einen Zweckoptimismus, der wiederum zweifeln lässt, ob er die Realität vor Augen hat und klar einschätzen kann, wie seine Mannschaft momentan steht. Dadurch, dass er regelmäßig in Wiederholungen verfällt, schafft er es nicht gänzlich überzeugend zu wirken. Mehr noch spiegelt dies eine Ratlosigkeit seinerseits wieder.

Eine Ratlosigkeit die Klinsmann seinen Job kosten könnte. Und das schneller als ihm lieb sein mag. Denn die Flammen der Problemherde erzeugen schon lange einen leicht schwelenden Rauch, durch den immer wieder lodernde Stichflammen emporschießen und Probleme hervorheben, deren Löschung Klinsmann nicht mehr gewachsen scheint.

 

 

 

14.04.2009 Sven H.